Das Sommersternbild Schwan

Astronomie

Das Sternbild Schwan (lat. Cygnus) ist ein markantes Sternbild des Sommerhimmels, da es, einmal in seiner Form erkannt, einem fliegenden Schwan doch recht nahe kommt. Im Wesentlichen müssen dazu zwei helle Sternreihen ausgemacht werden, die sich am Himmel im rechten Winkel kreuzen. Diese Kreuzform wird oftmals als Kreuz des Nordens (als Gegenstück zum Kreuz des Südens, das bei uns nicht sichtbar ist) bezeichnet. An den Enden der einen Sternenreihe, die den Körper des Schwans mit dem langen, im Flug vorgestreckten Hals darstellt, finden sich der helle und bläulich strahlende Stern Deneb (α Cygni) als Schwanzstern und der orangefarben leuchtende Doppelstern Albireo (η und β Cygni) als Kopfstern des Schwans. Verlängert man die darin kreuzende Sternenreihe an den äußeren Enden jeweils um 1-2 Sterne, so wird die Form der im Flug nach hinten abgewinkelten Flügel sichtbar und die ganze Größe dieses eindrucksvollen Sternbilds wird erkannt. Deneb bildet mit den Sternen Vega in der Leier und Altair im Adler das Sommerdreieck. Es steht in den Sommermonaten spätabends hoch am Himmel.

Durch den Schwan zieht sich das fleckige Band der Milchstraße, weshalb das Sternbild reich an Sternen, nebeligen Objekten und Dunkelwolken aus interstellarem Staub ist. Auf lang belichteten fotografischen Aufnahmen werden der Sternenreichtum und die Vielgestaltigkeit der Milchstraße besonders deutlich.

Gamma Cygni / 1.5.2019 / Vixen FL55SS, ASI1600MMC, H-Alpha-Filter, 120 Min. / F. Steimer

Gamma Cygni / 1.5.2019 / Vixen FL55SS, ASI1600MMC, H-Alpha-Filter, 120 Min. / F. Steimer

Das zweifellos spektakulärste Objekt im Sternbild Schwan ist der riesige Cirrusnebel, auch bekannt als Schleier-Nebel. Er ist der sichtbare Überrest einer gewaltigen Supernova, die vor ca. 8000 Jahren in unserer Milchstraße stattfand. Damals explodierte in einer Entfernung von etwa 1500 Lichtjahren ein sehr massereicher Riesenstern, ein „Roter Riese“. Ihm war der Wasserstoff- und Heliumvorrat zur Verbrennung ausgegangen. Das damit verbundene Einsetzen einer Fusion von schwereren Elementen wie Kohlenstoff und Sauerstoff zu immer noch schwereren Elementen setzte in einer Kettenreaktion schnell gewaltige Energiemengen frei, welche durch die Schwerkraft bald nicht mehr aufgewogen werden konnten. Das führte unausweichlich zur Ausdehnung und schließlich zur Explosion des Sterns. In den extrem heißen Kernschmelzungsprozessen der Supernovaexplosion entstanden übrigens auch jene schweren Elemente, die wir heute kennen (z.B. Metalle wie Eisen, Gold etc.). All diese Elemente wurden in den interstellaren Raum hinaus geschleudert, wo sie nun in einer Ausdehnung von etwa 100 Lichtjahren die Grundlage für neue Sterne bilden. Mit Spezialfiltern lassen sich die Überreste dieses Sternentods noch heute nachweisen:

 

Der Cirrusnebel mit maßstabsgetreu eingefügtem Mond; 240mm Brennweite; 30.06.2019 und 03.07.2019; 5,5h Belichtungszeit, ASI1600MMC, Aufnahme: F.Steimer

Mythologie

In der griechischen Mythologie taucht das Sternbild des Schwans mehrfach auf. Beispielsweise soll die Ansammlung der Sterne den höchsten und mächtigsten Gott Zeus darstellen, der sich in einen Schwan verwandelt habe, um so unbemerkt schönen Frauen nachstellen zu können. Auch Götter haben offenbar so ihre ganz privaten Interessen!

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