Autor: Florian Steimer
Wir werden immer wieder gefragt, ob wir denn ein bestimmtes Teleskop für den Einstieg in die praktische Astronomie empfehlen könnten. Nun, das beste Teleskop für den Anfang ist wohl dasjenige, das der angehende Hobbyastronom leicht bedienen kann und das ihm die Himmelsobjekte groß und scharf zeigt. Dies können Dobson-Teleskope für die visuelle Beobachtung und Smart-Teleskope für die fotografische Darstellung besonders gut leisten.
Man sollte sich zunächst aber einen Überblick verschaffen:
1) Kleine Einstiegsgeräte bis 150,- Euro
Viele Einstiegsgeräte werden mit einem Dreibeinstativ und einer azimutalen oder parallaktischen Montierung verlockend günstig angeboten. Beworben werden diese Geräte meist mit einer umfassenden Ausstattung und mit hoher Vergrößerungsfähigkeit. Solchen Einstiegsgeräten in der Preisklasse bis 150,- ist gemein, dass deren Optiken so klein sind, dass der Einsatzbereich von vornherein stark eingeschränkt ist. Die angegebenen maximalen Vergrößerungen sind leider meist unrealistisch. Man erkennt mit so einem Teleskop in der Tat außer dem Mond und einigen Planeten kaum weitere astronomische Objekte. Für den Anfang mag es dennoch reichen. Wer sich für eines dieser Systeme entscheidet, der sollte darauf achten, dass ein langbrennweitiges 1,25″-Okular (z.B. 25mm) mit niedriger Vergrößerung zur Verfügung steht, damit das Aufsuchen der Himmelsobjekte etwas leichter fällt. Sollte ein Sonnenfilter zum Einschrauben ins Okular mitgeliefert werden, dann diesen nicht verwenden, er würde sich erhitzen und könnte platzen!
Auch ein Feldstecher ist in der Regel zu klein, um Himmelsobjekte gut sichtbar zu machen. Er eignet sich eher zum Spazierenschauen in der Milchstraße unter möglichst dunklem Himmel. Durch das Wackeln des Bildes ist das Beobachten allerdings erschwert.
2) Einstiegsgeräte mit Computersteuerung
Goto-Teleskope sind technisch ausgereift und können beim Einstellen lichtschwächerer Objekte hilfreich sein. Die Kenntnis und das benutzergesteuerete Anfahren einiger heller Sterne zur Eichung der Steuerungen wird allerdings vor jeder Verwendung vorausgesetzt. Dieser Prozess erfordert etwas Geduld und Übung. Für das Einstellen von Mond und Planeten ist eine solche klassische Computersteuerung kein Gewinn, da diese Objekte hell am Himmel stehen und bequem ohne spezielle Technik aufgefunden werden können. Optiken in einer Größenordnung bis 114mm Öffnung sind außerdem noch nicht sonderlich leistungsstark, so dass der angehende Sterngucker mit ihnen nicht viel zu sehen bekommt, was ihn dauerhaft fesseln würde. Wirklich Sinn macht eine solche Steuerung daher erst an größeren Teleskopen.
Smart-Teleskope sind eine Weiterentwicklung und sehr empfehlenswert, wenn man sich auf die rein fotografische Erkundung des Nachthimmels beschränkt. Sie sind klein, vollautomatisch aufgebaut und werden mit Smartphone oder Tablet gesteuert. Ausgestattet mit modernen Sensoren und guten Optiken generieren sie innerhalb weniger Minuten ansehnliche Bilder. Eine Kenntnis bestimmter Sterne wird nicht mehr vorausgesetzt, sodass auch Anfänger sofort loslegen können. Mit etwas Aufwand an Belichtungszeit und Bearbeitung der Rohbilder können bereits beeindruckende Aufnahmen gemacht werden. Die Anzahl der Motive ist nahezu unbegrenzt.
3) Dobson-Teleskope
Dobson-Teleskope sind Spiegelteleskope zur visuellen Beobachtung. Sie sind auf einer einfachen Plattform kostengünstig montiert und werden von Hand bewegt. Ein guter und ordentlich justierter „Dobson“ zeigt dem Beobachter bereits viele Himmelsobjekte groß und sehr scharf. Eine Öffnung von mindestens 15cm sollte allerdings gewählt werden, um genügend Licht schwacher Himmelsobjekte sammeln zu können. Ein 15cm-Dobson mit 1200mm Brennweite ist allerdings bereits relativ groß und für Kinder nur dann geeignet, wenn ein Erwachsener etwas mithilft. Die Preise für den mit guten Okularen ausgestatteten 15cm-Dobson beginnen bei etwa 300-350 Euro. Für nur wenig mehr erhält man ein sehr gut ausgestattetes Dobson-Teleskop mit stattlichen 20cm Öffnung – ein Klassiker und ideales Einstiegsgerät für Erwachsene und Jugendliche. Um die Objekte am Himmel mit einem so leistungsstarken Teleskop wie einem 15cm- oder 20cm-Dobson auffinden zu können, werden analoge oder digitale Himmelskarten (Smartphone-App) und das mitgelieferte Sucherfernrohr oder alternativ ein sog. Peilsucher benutzt. Bei hellen Himmelsobjekten ist das Aufsuchen nicht besonders schwierig. Werden die Wünsche größer und die angestrebten Himmelsobjekte schwächer, dann wachsen der Ansporn und das Können des Beobachters entsprechend mit – der entscheidende Grund, weshalb Dobson-Teleskope sowohl bei Anfängern als auch bei fortgeschrittenen Amateurastronomen seit Jahrzehnten sehr beliebt sind. Längst werden Dobsons in erheblichen Größen und auch mit guten Computersteuerungen und automatischer Nachführung angeboten.
Probieren ist besser als studieren!
Details zu einzelnen Teleskopen lassen sich bei verschiedenen Händlern und im Internet in Erfahrung bringen. Am besten probiert man die Teleskopsysteme zudem selber aus. In der Regel verfügen spezialisierte Astrohändler über ein Ladengeschäft mit Ausstellungsraum. Der Passau am nächsten gelegene Fachhändler mit umfassendem Ausstellungsraum zur eigenen Begutachtung von Teleskopen befindet sich in Linz: Teleskop-Austria. Im Großraum München finden sich weitere Fachhändler, z.B. Teleskop-Spezialisten oder Teleskop-Express. Manche Händler prüfen und justieren die Teleskope vor dem Versand. Hier sind kleinere Händler evtl. besser als die das Internet dominierenden Großhändler, die zwar mehr anbieten, dafür aber die empfindlichen Optiken in der ungeöffneten Schachtel aus Asien ungeprüft und unter Umständen dejustiert weiterschicken müssen. Eine Selbstabholung der sensiblen Geräte ist daher eine sinnvolle Lösung.
Sie können natürlich auch unsere Sternwarte besuchen und einfache Geräte für den Einstieg unter Anleitung selber ausprobieren. Eine konkrete Kaufberatung können und möchten wir dabei nicht leisten. Wir können jedoch eine erste Orientierung anbieten. Dazu stehen gleich mehrere visuelle Lösungen an unseren öffentlichen Beobachtungsabenden für Sie bereit, und auch die fotografische Leistung von Smartteleskopen können wir mit kamerabasierter Präsentation darstellen:
