Himmelsvorschau

Was ist los am Himmel über Passau –
Oktober / November / Dezember 2019

Zusammengestellt von Florian Steimer, Rainer Klemm und Markus Dähne.
Quelle Sternkarte(n): Cartes du Ciel

Der Sternenhimmel im Oktober/November/Dezember:
Es ist Herbst geworden und so haben sich viele Sternbilder des Sommers am Abendhimmel bereits deutlich nach Westen bewegt. Einzig die Tatsache, dass es immer früher dunkel wird, trägt zu dem glücklichen Umstand bei, dass wir uns auch jetzt noch mit dem interessanten Band der Milchstraße und darin den hoch stehenden Sternbildern Schwan und Leier beschäftigen können.

Der Schwan mit seinem Hauptstern Deneb steht Anfang Oktober um 20.00 Uhr sogar noch senkrecht über uns. Deneb ist übrigens einer der am weitesten entfernten Sterne, die man mit bloßem Auge sehen kann. Sein Licht ist 1500 Jahre bis zu uns unterwegs – eine für einen so hellen Stern außergewöhnliche Entfernung. Trotzdem übertrifft Deneb die meisten Sterne an Helligkeit. Kein Wunder, strahlt doch der blaue Riesenstern mit der 60.000-fachen Leuchtkraft unserer Sonne!

Das Zentrum der Milchstraße im Schützen ist inzwischen im Horizontdunst verschwunden, so dass wir diese sternenreiche Region nicht mehr beobachten können. Auch das bekannteste aller Sternbilder, der „Große Wagen“, steht immer noch tief im Norden und ist in seiner Gesamtheit nur zu erkennen, wenn Bäume oder Geländeerhebungen den Nordhorizont nicht zu sehr beschneiden.

Wenn wir dagegen nach Osten blicken, dann sehen wir bereits recht hoch am Himmel das große Sternenquadrat des Pegasus und mit ihm verbunden die Sternenkette der Andromeda, die Pegasus der Mythologie nach einst vor einem Meeresungeheuer gerettet habe. Beide Sternbilder glänzen zwar nicht mit sehr hellen Sternen, doch findet sich in der Andromeda eine der uns am nächsten gelegenen Galaxien an unserem Himmel, die Große Andromedagalaxie. Sie ist in ihrer gesamten Ausdehnung um ein Vielfaches größer als der Vollmond und kann bereits mit bloßem Auge gesichtet werden.

Im November rücken schließlich die ersten Wintersternbilder über den Osthorizont. Als erstes ist dies das Sternbild des Stieres und mit ihm ein kleiner aber sehr markanter Sternhaufen, der schon mit bloßem Auge auffällt. Bis zu 8 Sterne auf engem Raum zusammen gedrängt sieht man ohne Hilfsmittel. Dies ist einer der prächtigsten „offenen Sternhaufen“ am Himmel, seine offizielle Bezeichnung lautet M45. Bekannt ist dieses Himmelsjuwel (schauen Sie dieses Objekt einmal mit einem Fernglas an, dann sehen Sie sofort, dass diese Bezeichnung keine Übertreibung ist) als Sternhaufen der „Plejaden“, auch „Siebengestirn“ genannt.

Auch das Sternbild Kassiopeia, das eigentlich das ganze Jahr über beobachtet werden kann, da es sich in einer Gegend nahe dem Himmelspol befindet, wandert nun hoch hinauf in Richtung Zenit. In diesem markanten Sternbild, das ganz passend auch „Himmels-W“ genannt wird, befindet sich eine Reihe von schönen Sternhaufen. Am meisten beeindruckt der Doppelhaufen „h und chi“, der jedoch schon dem Sternbild Perseus zugerechnet wird. Der Anblick dieser beiden hellen Sternenansammlungen im Teleskop hinterlässt sicher eine bleibende Erinnerung und ist immer wieder auch Anlass, die buchstäblich haufenweise Entstehung von Sternen zu erklären.

Sternkarte

Eine interaktive Sternkarte mit der Möglichkeit der genauen Datums- und Zeitangabe finden Sie hier.

Sternschnuppen im Dezember:
Neben den bekannten Perseiden-Sternschnuppen im August ist auch der Dezember ein guter Monat für diese Leuchterscheinungen.
Jedes Jahr um diese Zeit durchwandert unsere Erde auf dem Weg um die Sonne einen Staubgürtel, der von dem Asteroiden (3200) Phaethon – möglicherweise ein erloschener Komet – hinterlassen wurde. Die dichtesten Stellen dieses Staubgürtels durchfliegt unser Planet um den 14. Dezember. In diesem Jahr wird zeitweise der helle Mond die Sichtung leuchtschwacher Sternschnuppen erschweren.
Die beste Art und Weise dieses Schauspiel zu genießen ist von einer bequemen Sitz- oder Liegeposition aus, mit möglichst wenig künstlichem und störendem Licht in der Umgebung. Für die Sichtung braucht es keinerlei optischer Hilfsmittel. Am besten nimmt man die Himmelsgegend im Zenit über uns ins Visier.
Auch die zwei bis drei Nächte vor und nach dem erwarteten Maximum zeigen noch ein deutlich erhöhtes Aufkommen von Sternschnuppen, sodass sich ein Ausharren lohnen kann. Auch können Fotos und Zeitrafferaufnahmen mit empfindlichen Fotoapparaten erstellt werden, wenn man hohe ISO-Werte (ab etwa 3200) wählt, die Kamera auf ein Stativ montiert und mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv bestückt.
Die hellsten Schnuppen werden von etwa kirschgroßen Partikeln erzeugt, die mit sehr hoher Geschwindigkeit (etwa 35 km/sec) auf die obersten Schichten der Erdatmosphäre treffen und dort verglühen. Viel Vergnügen bei diesem wunderbaren Spektakel!Perseid
Perseiden-Sternschnuppe (Bild: F. Steimer).
Mond:

05.10. Halbmond (zunehmend)
13.10. Vollmond
21.10. Halbmond (abnehmend)
28.10. Neumond
04.11. Halbmond (zunehmend)
12.11. Vollmond
19.11. Halbmond (abnehmend)
26.11 Neumond
04.12. Halbmond (zunehmend)
12.12. Vollmond
19.12. Halbmond (abnehmend)
26.12. Neumond

Planeten:
Wenn wir den Himmel im Oktober nach hellen Planeten absuchen, dann stoßen wir im Südwesten auf den Ringplaneten Saturn. Er ist leider nur noch tief im Südwesten erkennbar und erscheint im Teleskop meist schon recht verschwommen, sodass er nicht mehr lange ein lohnendes Objekt für die Beobachtung im Teleskop ist.
Uranus und Neptun stehen dagegen günstig. Sie lassen sich mit Feldstechern oder Teleskopen auffinden. Insbesondere Uranus erscheint bei hoher Vergrößerung als kleines, türkisfarbenes Scheibchen. Oberflächendetails darf man sich bei diesem weit entfernten und ziemlich strukturlosen Gasplaneten nicht erwarten.
Ende November taucht die strahlend gelbe Venus wieder am Abendhimmel tief im Südwesten auf. Sie markiert damit eine bevorstehende Phase der Sichtbarkeit in der ersten Nachthälfte („Abendstern“).
Am 28. November kommt es übrigens in der Dämmerung zu einer hübschen Begegnung mit der schmalen Mondsichel und dem Planeten Jupiter. Gelingt eine Sichtung an diesem Abend nicht, so kann die Begegnung von Venus und Jupiter dennoch über einige Tage hinweg verfolgt werden. Sie werden bemerken, dass sich die Positionen zueinander verschieben werden – das typische Merkmal von Planeten, die früher fälschlicherweise als „Wandelsterne“ bezeichnet wurden.
Gegen Ende des Jahres taucht schließlich unser roter Nachbarplanet Mars als orange leuchtender Punkt am Morgenhimmel auf. Er wird uns im kommenden Jahr noch reichlich beschäftigen.Sternkarte
Deep-Sky-Objekte
Als Deep-Sky bezeichnet man Objekte außerhalb unseres Sonnensystems, also beispielsweise Sternhaufen, Gasnebel oder Galaxien. Sie lassen sich am besten durch ein Teleskop betrachten. Hier sind einige der derzeit sichtbaren Deep-Sky-Objekte:
M13

M13

M13 ist ein mächtiger Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules und der größte Kugelsternhaufen der nördlichen Hemisphäre. Entdeckt wurde dieser bereits im Jahre 1714 durch den englischen Astronomen Sir Edmond Halley.
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Ringnebel

M57

Der Nebel M57 im Sternbild Leier ist der Überrest eines Sterns, der im Laufe seines Alterungsprozesses bereits vor etwa 20.000 Jahren seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Damals leuchtete der Stern für kurze Zeit als Nova-Explosion hell auf.
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h/chi Persei

h/chi

Der Doppelsternhaufen h/chi im Sternbild Perseus ist bereits mit bloßem Auge als länglicher Lichtfleck am Himmel erkennbar. Im Fernglas sind die beiden Sternansammlungen deutlich zu sehen, und im Teleskop bietet sich ein imposanter Anblick.

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Cirrusnebel

Cirrusnebel

Der Cirrusnebel, auch bekannt als Schleier-Nebel, ist der sichtbare Überrest einer gewaltigen Supernova, die vor ca. 8.000 Jahren in unserer Milchstraße stattfand. Damals explodierte in einer Entfernung von „nur“ 1500 Lichtjahren ein alter, sehr massereicher Stern („Roter Riese“).
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Satelliten:
Von Zeit zu Zeit ist die Internationale Raumstation (ISS) am Himmel zu beobachten. Sie erscheint wie ein heller bis sehr heller ‚Stern‘, der sich etwa mit (scheinbar) Flugzeug-Geschwindigkeit über den Himmel bewegt.
Hier finden Sie die aktuellen Sichtbarkeiten der ISS für den Raum Passau:
Heavens above
(Bahndaten für die ISS-Beobachtung mittels Teleskop: Supplemental Two-Line Element Sets)Sichtbarkeiten anderer Satelliten für den Raum Passau, Mondphasen usw. finden Sie hier:
Satelliten, Mondphasen,…

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