Himmelsvorschau

Was ist los am Himmel über Passau –
August / September 2019

Zusammengestellt von Florian Steimer.

Der Sternenhimmel im August/September:
Wenn wir am späten Abend unseren Blick hoch hinauf zum Himmel erheben, dann fallen uns gleich mehrere helle und bläulich strahlende Sterne auf – der eine fast senkrecht über uns, der andere nicht weit davon entfernt und nicht ganz so hell leuchtend, und noch einer, aber etwas tiefer südlich gelegen. Diese drei Sterne bilden das sogenannte Sommerdreieck, welches uns in den nächsten Wochen und Monaten einen Ausgangspunkt für die Orientierung am Himmel liefert.

Der hellere dieser hoch stehenden und leuchtkräftigen Sterne ist die Vega. Sie ist etwa 25 Lichtjahre von der Sonne entfernt und damit ein relativ nahe gelegener Stern. Zusammen mit Arcturus, einem orange leuchtenden Riesenstern, den wir derzeit noch im Westen sehen können, und Sirius, der erst wieder im Winter sichtbar ist, zählt Vega zu den hellsten Sternen in der Nachbarschaft der Sonne. Vega ist der Hauptstern des Sternbilds Leier, das er zusammen mit einem kleinen Parallelogramm aus scheinbar ganz nahe gelegenen, schwächeren Sternen bildet.

Der zweite helle Stern hoch oben am Himmel ist Deneb, der Hauptstern des Sternbilds Schwan. Etwas südlich von Vega und Deneb befindet sich der helle Stern Altair, welcher den Kopf des Sternbilds Adler markiert. Durch dieses Sommerdreieck schlängelt sich das bei ausreichender Dunkelheit schwach sichtbare Band der Milchstraße. Im Fernglas offenbart sich hingegen die unglaubliche Fülle vieler tausender Sterne, die sich zum südlichen Horizont hin noch verdichten, wo das Zentrum unserer Galaxis gelegen ist. Leider verhindert in unseren Breitengraden meist eine mehr oder weniger dicke Dunstschicht einen tieferen Blick in diese Gegend des Sternbilds Schütze, wo sich Sterne und kosmische Wolken in einzigartiger Weise tummeln. Ein Fernglas kann dagegen im südlichen Urlaubsgebiet (Kanaren, Spanien, Süditalien, Nordafrika, Südamerika etc.) die Schönheit unserer Galaxie auf spektakuläre Weise offenbaren. Vielleicht denken Sie in Ihrem nächsten Urlaub an dieses kleine Helferlein. Kenntnisse brauchen Sie nicht, das Milchstraßenzentrum springt fernab von den Touristenzentren förmlich ins Auge.

Hoch am südwestlichen Himmel etwa zwischen Sommerdreieck und dem orangefarbenen Arcturus steht ein Sternbild ohne hellen Leitstern, die Konstellation des Herkules. Als Zielsternbild bei unseren Führungen wird es häufig anvisiert, enthält es doch ein absolutes Paradeobjekt, den Kugelsternhaufen M13. Das Sternbild des Herkules enthält übrigens auch den Erd-Apex, d.h. den Punkt am Himmel, auf den sich unser Sonnensystem mit einer Geschwindigkeit von 19.4 Kilometern pro Sekunde zu bewegt.
Um diese Jahreszeit ist das bekannteste Sternbild, der Große Wagen (oder Großer Bär, wobei der Wagen nur einen Teil des Bären darstellt), am tiefsten Punkt des Himmels angelangt, nämlich im Norden. Im Osten dagegen kündigen das große Quadrat des Sternbilds Pegasus und die anhängende Andromeda bereits den bevorstehenden Herbst an.


Eine interaktive Sternkarte mit der Möglichkeit der genauen Datums- und Zeitangabe finden Sie hier.

Sternschnuppen im August:
Der wohl aktivste Sternschnuppenmonat ist der August. In seinen lauen Sommernächten sind besonders viele Sternschnuppen zu sehen. Jedes Jahr um diese Zeit durchwandert unsere Erde auf dem Weg um die Sonne einen Staubgürtel der von einem Kometen hinterlassen wurde. Die dichtesten Stellen dieses Staubgürtels durchfliegt unser Planet in der Nacht vom 12. auf 13. August. In diesem Jahr wird allerdings der helle Mond die Sichtung leuchtschwacher Sternschnuppen erschweren.
Insbesondere nach Mitternacht und da besonders in den Stunden vor der Morgendämmerung sind bis zu 60 Meteore in der Stunde zu beobachten. Das hängt damit zusammen, dass wir in den letzten Stunden der Nacht sozusagen auf der Vorderseite der mit 30 km pro Sekunde durchs All rauschenden Erde sitzen und dann den entgegenkommenden Staubpartikeln voll ausgesetzt sind. Aber auch für diejenigen, die es nicht bis in die Morgenstunden aushalten, ist gesorgt. Auch in den ersten Stunden der Nacht sehen wir bereits besonders viele Sternschnuppen.
Die beste Art und Weise dieses Schauspiel zu genießen ist von einer bequemen Sitz- oder Liegeposition aus mit möglichst wenig künstlichem und störendem Licht in der Umgebung. Für die Sichtung braucht es keinerlei optischer Hilfsmittel. Am besten nimmt man die Himmelsgegend im Zenit über uns ins Visier. Auch die zwei bis drei Nächte vor und nach dem erwarteten Maximum zeigen noch ein deutlich erhöhtes Aufkommen von Sternschnuppen, sodass sich ein Ausharren lohnen kann. Auch können Fotos und Zeitrafferaufnahmen mit empfindlichen Fotoapparaten erstellt werden, wenn man hohe ISO-Werte (ab etwa 3200) wählt und die Kamera auf ein Stativ montiert und mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv bestückt.
Die hellsten Schnuppen werden von etwa kirschgroßen Partikeln erzeugt, die mit sehr hoher Geschwindigkeit (etwa 70 km/sec) auf die obersten Schichten der Erdatmosphäre treffen und dort verglühen. Viel Vergnügen bei diesem wunderbaren Spektakel!
Perseid
Perseiden-Sternschnuppe (Bild: F. Steimer).
Mond:

01.08. Neumond
07.08. Halbmond (zunehmend)
15.08. Vollmond
23.08. Halbmond (abnehmend)
30.08. Neumond
06.09. Halbmond (zunehmend)
14.09. Vollmond
22.09. Halbmond (abnehmend)
28.09. Neumond

Planeten:
Die Riesenplaneten Jupiter und Saturn bestimmen derzeit noch den südlichen Abendhimmel. Schon in der späten Dämmerung sind beide im Süden und später dann im Südwesten als helle Punkte zu finden. Beide Planeten stehen in diesem Jahr recht tief am Himmel, so dass sie mit Teleskopen wegen der Unruhe der irdischen Atmosphäre manchmal etwas verschwommen erscheinen können.
Doch Jupiters Monde und Wolkenbänder und Saturns ausgedehnter Ring aus Eisbrocken und Staub sind immer beobachtbar und bleiben jedem, der dies das erste Mal mit eigenen Augen sieht, als ein unvergesslicher Anblick in Erinnerung. Es genügt bereits ein kleines Teleskop, um diese Details sehen zu können. Besitzer eines farbreinen Linsenteleskops sind hier meist im Vorteil.

Zu später Stunde können mit entsprechenden Teleskopen auch die äußeren Riesenplaneten Uranus und Neptun aufgesucht werden. Oberflächendetails darf man sich bei so großen Entfernungen allerdings nicht erwarten. Trotzdem lohnt sich das Erlebnis.

Deep-Sky-Objekte
Als Deep-Sky bezeichnet man Objekte außerhalb unseres Sonnensystems, also beispielsweise Sternhaufen, Gasnebel oder Galaxien. Sie lassen sich am besten durch ein Teleskop betrachten. Hier sind einige der derzeit sichtbaren Deep-Sky-Objekte:
M13
M13
M13 ist ein mächtiger Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules und der größte Kugelsternhaufen der nördlichen Hemisphäre. Entdeckt wurde dieser bereits im Jahre 1714 durch den englischen Astronomen Sir Edmond Halley.
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M57
Ringnebel
Der Nebel M57 im Sternbild Leier ist der Überrest eines Sterns, der im Laufe seines Alterungsprozesses bereits vor etwa 20.000 Jahren seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Damals leuchtete der Stern für kurze Zeit als Nova-Explosion hell auf.
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M27
Hantelnebel
Der Hantelnebel M27 ist ein heller Planetarischer, hantelförmiger Nebel mit einer Ausdehnung am Himmel von etwa einem Viertel des Vollmonddurchmessers.
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M11
M11
Der ‚Wildentenhaufen‘, auch bekannt unter seiner Katalogbezeichnung M11, ist ein etwa 6200 Lichtjahre entfernter, heller und dicht gedrängter offener Sternhaufen im Sternbild Schild.
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Satelliten:
Von Zeit zu Zeit ist die Internationale Raumstation (ISS) am Himmel zu beobachten. Sie erscheint wie ein heller bis sehr heller ‚Stern‘, der sich etwa mit (scheinbar) Flugzeug-Geschwindigkeit über den Himmel bewegt.
Hier finden Sie die aktuellen Sichtbarkeiten der ISS für den Raum Passau:
Heavens above
(Bahndaten für die ISS-Beobachtung mittels Teleskop: Supplemental Two-Line Element Sets)

Sichtbarkeiten anderer Satelliten für den Raum Passau, Mondphasen usw. finden Sie hier:
Satelliten, Mondphasen,…

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